Rezeptfreistellung der "Pille danach"
Leserbrief anlässlich der Rezeptfreistellung durch den Gesundheitsminister Dr. Alois Stöger:
Freigabe der Pille danach Populismus, Gefälligkeit oder gar Gleichgültigkeit?
Sei es reiner Populismus, sei es Gefälligkeitspolitik gegenüber den eigenen Reihen oder einfach Gleichgültigkeit des Ministers, die ihn dazu bewogen hat, die „Pille danach" rezeptfrei zu geben: wieder einmal wurde der bequemste Weg zur Lösung eines Problems gewählt, nämlich einfach alles auf die Betroffen abzuschieben. Statt Aufklärung über Sexualität und Schwangerschaft, statt die Kenntnisse über biologische und psychologische Zusammenhänge rund um das Thema bei Mädchen und Burschen zu fördern, wird eine einfache Lösung in Form der Pille danach vorgegaukelt. Dabei sind Dosierung und Zeitpunkt für Wirkung und Auswirkung entscheidend, wird ein vermeintliches Sicherheitsgefühl erzeugt, das zur Sorglosigkeit verleitet. Die Suppe auszulöffeln haben junge Mädchen, die ohne ärztliche Kontrolle und Anleitung die Pille einnehmen, in Unkenntnis über die Wirkungsweise womöglich dennoch schwanger werden, jedenfalls aber eine hochdosierte Hormonbombe abbekommen. Der bequemste oder der billigste Weg ist selten der beste. Hier ist er verantwortungslos. Erneut wird der Staat seiner Aufgabe zur Bildung in Biologie und Psychologie nicht gerecht. Die einfache „Lösung" des Ministers erfolgt auf dem Rücken derer, für die sich angeblich gemacht wurde: der jungen unerfahrenen Mädchen, von denen noch mehr Bereitwilligkeit erwartet und denen Sicherheit vorgespielt wird. Die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken bleiben ihnen getrost überlassen.
Dr. Johann Hager Vorsitzender von aktion leben tirol
Presseaussendung aktion leben österreich:
Rezeptfreiheit für "Pille danach" ist ein Armutszeugnis für die Gesundheitspolitik
"Wir sind bestürzt, dass der Gesundheitspolitik zur Prävention ungewollter Schwangerschaften nichts Besseres einfällt, als die ,Pille danach' rezeptfrei abzugeben", erklärt Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben österreich. Die "Pille danach" sei mit gutem Grund bislang rezeptpflichtig gewesen. Wer sich dafür entscheidet, sollte genau wissen, wie sie wirkt: Abhängig vom Zeitpunkt der Einnahme verzögert sie den Eisprung oder verhindert die Einnistung einer befruchteten Eizelle.
Korrekte Informationen notwendig Die "Pille danach" ist keine Bagatelle, sondern ein Hormonpräparat mit erheblicher Dosierung, das unter ärztliche Aufsicht gehört. Da sie den Hormonhaushalt vor allem junger Mädchen durcheinander bringen kann, die oft wenig über ihren Körper und Zyklus wissen, bedarf sie der ärztlichen Beratung. "Es ist verantwortungslos gegenüber Frauen, die Warnung der Österreichischen Ärztekammer vor der rezeptfreien Abgabe einfach zu ignorieren!"
Dringend nötig ist zudem eine umfassende und korrekte Information über die Wirkweisen: Kommt sie vor dem Eisprung zum Einsatz, verzögert oder unterdrückt sie die Ovulation. Die Frau kann bei einem neuerlichen ungeschützten Verkehr dann wieder schwanger werden. Wenn die "Pille danach" nach dem Eisprung genommen wird, verhindert sie die Einnistung der befruchteten Eizelle. Somit verliert ein Embryo die Möglichkeit, weiterzuleben.
Mechanistisches Weltbild "Die ethische Frage muss sich jede Frau, jedes Paar selbst stellen", betont Kronthaler. Der Gesundheitsminister aber müsse sich fragen lassen, ob er sich nicht aus seiner Verantwortung für die körperliche und seelische Gesundheit vor allem junger Menschen stehle.
Denn durch die rezeptfreie Abgabe werde ein mechanistisches Weltbild vermittelt, das jungen Menschen nichts bietet, damit sie Sexualität in Liebe und Beziehung leben lernen. Sie könne den Druck auf Mädchen erhöhen, sexuelle Wünsche umgehend zu erfüllen und untergrabe die Bemühungen um eine partnerschaftliche Verhütung.
"Wir betrachten die Rezeptfreiheit der ,Pille danach' als billige Antwort auf die Versäumnisse der schulischen Sexualerziehung und Aufklärungsarbeit", sagt Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben österreich. "Tiefer gehende Lösungen sind gefragt!"
Vorrang für Liebe und Beziehung Wer ungewollte Schwangerschaften durch Verhütung vermeiden will, muss alles daransetzen, dass diese rechtzeitig geschieht. Auch Überlegungen, wie wir Menschen helfen können, auch ein ungeplantes Kind anzunehmen, sind in diesem Zusammenhang wichtig, ist die Aktion Leben überzeugt.
"Wir fordern daher eine umfassende wertorientierte Sexualerziehung, die den liebenden und Beziehung suchenden Menschen in den Mittelpunkt stellt und individuelle Hilfen für jene, die sich auch zu einem ungeplanten Kind bekennen", erklärt Kronthaler.
Mag. Matina Kronthaler Generalsekretäring aktion leben österreich
Brief von aktion leben tirol zur Abwendung der Rezeptfreistellung der "Pille danach"
Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister, wo bleibt die Verantwortung für unsere Jugend?
Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister, Sie lassen mit der Meldung aufhorchen, dass Sie sich für eine rezeptfreie Abgabe der „Pille danach" aussprechen. Dabei stellt sich die Frage: Wo bleibt die Verantwortung in Ihrer Funktion als Gesundheitsminister für die körperliche und seelische Gesundheit unserer jungen Menschen?
Die „Pille danach" ist keine Bagatelle, sondern ein hochdosiertes Hormonpräparat, das unter ärztliche Aufsicht gehört, da sie den Hormonhaushalt der Frau durcheinander bringt. Vor allem junge Mädchen wissen oft zu wenig über ihren Körper und ihren Zyklus Bescheid, daher ist eine umfassende und seriöse ärztliche Beratung dringend erforderlich. Wer sich für diese „Notfallverhütung" entscheidet, sollte auch genau wissen, wie sie wirkt: Abhängig vom Zeitpunkt der Einnahme verzögert sie den Eisprung oder verhindert die Einnistung einer befruchteten Eizelle.
Eine rezeptfreie Abgabe trägt sicher nicht dazu bei, das Bemühen um eine partnerschaftliche Verhütung in einer Beziehung junger Menschen zu fördern. Im Gegenteil, der Druck auf Mädchen würde steigen, sexuelle Wünsche umgehend zu erfüllen - man (die Frau) kann ja nach einem Geschlechtsverkehr einfach die „Pille danach" schlucken. Die „Pille danach" ist ein Notfall-Präparat, das z.B. nach Vergewaltigung oder wirklich „kopflosem" Geschlechtsverkehr jederzeit in Krankenhäusern oder bei Frauenärzten mit der erforderlichen Information und Beratung bezogen werden kann. Und als Notfallpräparat soll sie auch in Zukunft eingesetzt werden können.
Im Rahmen der Bildungsarbeit von aktion leben tirol zum Schutz des ungeborenen Lebens (Im Jahr 2009 hatten wir bis jetzt Kontakt zu ca. 3.500 jungen Menschen) machen wir immer wieder die Erfahrung, dass unsere Jugendlichen zwar ein weitreichendes, aber meist oberflächliches Wissen über Sexualität und Verhütung haben. Aufklärung und Vertiefung der Problematik des verantwortungsbewussten Umgangs mit Sexualität sind daher dringend erforderlich und werden von den jungen Menschen auch dankbar angenommen. Nur so werden wir ungewollten Schwangerschaften und den daraus resultierenden Konflikten bestmöglich vorbeugen können.
Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister, wir dürfen unsere jungen Menschen mit ihren Fragen zu Liebe und Sexualität nicht alleine lassen. Wer ungewollte Schwangerschaften durch Verhütung vermeiden will, muss alles daransetzen, dass dies rechtzeitig geschieht. Ebenso sind Überlegungen, wie wir Menschen helfen können, auch ein ungeplantes Kind annehmen zu können in diesem Zusammenhang wichtig. Es kommt zum Glück auch heute noch vor, dass sich Frauen trotz schwieriger Umstände durchringen können, ihrem Kind das Leben zu schenken, das dann oft zum „Sonnenschein" für die ganze Familie wird!
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