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Unqualifizierter Artikel in der UNIpress und eine Entgegnung von Dr. Hager

Schöne neue Welt
oder: Eine satirische Entmystifizierung der Mutterschaft

von Tanja Sarwat

(Artikel erschienen im Monatsmagazin der ÖH Innsbruck
UNIpress Nr.2 Feb10)

Angespornt von der Lektüre Alice Schwarzers, setze ich mich vor den Laptop, öffnete die Facebook-Startseite und gab in die Suchzeile ein: „Abortion". Vor meinen Augen tat sich eine ganze Litanei von Contra-Abtreibungs-Gruppen und selbst ernannten „Lebens-Rettern" auf. Doch keine einzige Pro-Abtreibungs-Gruppe, weder im englichen noch im deutschen Sprachraum. Ich war entsetzt! Sofort machte ich mich daran, diese klaffende Zahnlücke im Gebiss der Internetcommunity zu füllen und gründete gleich 2 Gruppen: „Pro Abortion, for female Rights!" und „Für das Recht jeder Frau auf Abtreibung". Mit 13 Members ist erstere noch spärlich besät, doch ich hoffe auf weiteren Zulauf. Und auf ein (wohlverdientes!) Recht aller Frauen auf ihren Uterus. Oder wurde schon einmal jemand gesellschaftlich oder gerichtlich dafür verurteilt, sich einen Gallenstein entfernt haben zu lassen?

Die Männer, die das Patriarchat vertreten, müssten eigentlich hinter der Abtreibung stehen: wo doch bereits aus der Naturwissenschaft bekannt ist, dass jeder Embryo zuerst einmal weiblich ist (und nur durch die spätere Einwirkung des Testosterons ein kleines Pimmelchen erhält). Doch halt, ich vergas: sie möchten lieber, dass wir geboren werden, denn ohne uns Frauen gäbe es ja keinen Küchen-und-Kinder-Sklaven mehr, der sich bereitwillig vor den Karren spannen lässt, wenn man ihm nur genug Schuldgefühle eingeredet hat. Heraus kommt ein Frauentypus, der auf die Fragen „Warum machst du denn das alles??" mit „Aus Liebe zu ... blablabla" reagiert.

Die dunkle Seite der Macht

Was viele Menschen gern ausblenden, ist die unheimliche Seite der Geschichte. Nämlich die, dass Abtreibungsgegner zeitweise gerne morden: von Extremisten wurden bereits etliche Attentate auf Ärzte begangen, die es wagten, Abtreibungen durchzuführen. In den USA verbluteten so mehrere Ärzte mit Schusswunden vor den Augen ihrer geschockten Kinder & Ehefrauen. Wir können alle von Glück sagen, dass wir so fleißige „Lebensretter" unter uns haben, nicht wahr?

  


Entgegnung von Dr. Hager,
Obmann von aktion leben tirol:

Der Artikel „Schöne neue Welt" von Tanja Sarwat kann nicht unwidersprochen bleiben. Den Menschen, die im Schwangerschaftsabbruch die Beendigung eins menschlichen Lebens sehen, wird Freude am Mord unterstellt. Die verblendeten Taten einiger weniger Extremisten werden verallgemeinert. Diese von schweren Vorurteilen geleitete Auffassung ist gefährlich, gemein und böswillig. Zu ihr gesellt sich auch noch Unwissenheit in einem Ausmaß, dass es schwer fällt zu glauben, der Artikel stamme von einer angehenden Akademikerin. Frau und Mann unterscheiden sich von Anfang an durch ihre (Geschlechts-) Chromosomen. Die (männlichen) Spermien sind entweder Träger eines X oder eines Y-Chromosoms. Die Verschmelzung einer Samenzelle (X oder Y) mit einer (weiblichen) Eizelle (immer X) bestimmt das Geschlecht (Frau XX, Mann XY). Mit dem männlichen Sexualhormon hat das rein gar nichts zu tun.

Gallsteine haben mit Embryonen nichts gemein. Aus einem Gallenstein wird nichts, aus einem Embryo ein Fötus, der, wenn nichts dazwischen kommt, als Kind geboren wird. Dazwischen kommt leider allzu oft der „Eingriff" des Menschen, der dieses Kind nicht will. Dahinter stehen aber häufig Sorgen, Ängste, Konflikte und menschliches Leid. Die Verfasserin negiert das alles. Letztlich sollte sie bedenken, dass auch sie einmal als Embryo und Fötus angenommen, geboren und groß gezogen wurde. Die Achtung vor dem Leben ist nicht teilbar: entweder man achtet es und sucht es zu bewahren, oder man verzweckt es auf einen „monetarischen Nutzen" oder als Statussymbol und verwirft vermeintlich oder tatsächlich „wertloses" Leben wie Abfall.
Die Verfasserin übersieht auch, dass Hilfe, Aufmunterung, Zuwendung und nicht Verurteilung die Antwort vieler „Lebensschützer" sind. Aktion Leben steht dafür. Dass Abtreibung ein Leben beendet, kann und darf aber auch nicht negiert werden. Ein Gallenstein hat kein Leben, ein Embryo ist Leben.

       
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